01.01.2010 - Walter Kirchner gestorben
Anfang der 1950er Jahre, als das deutsche Kinoprogramm mit Filmen von Ruth Leuwerik, O.W. Fischer oder Sonja Ziemann vermeintlich goldene Zeiten feierte, sucht er bewusst den Gegenentwurf. In der hessischen Universitätsstadt Göttingen baut der Jura-Student Walter Kirchner den lokalen Filmclub mit auf. Aus der Begeisterung für den anspruchsvollen Film entsteht, gemeinsam mit Ernst Liesenhoff und Werner Schwier, 1953 das Unternehmen "Neue Filmkunst". Die Filmbegeisterten versorgen fortan die gerade entstehenden westdeutschen Filmkunstkinos mit ausgesuchten Filmen. Werke von Regisseuren wie René Clair, Jean Cocteau, Alain Resnais oder Jean-Luc Godard werden dank der "Neuen Filmkunst" erstmals einem größeren Publikum in Deutschland zugänglich — in der Regel in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.

Neue Wege geht Kirchner auch bei der Werbung. Er knüpft an die Blütezeit des künstlerischen deutschen Filmplakats der zwanziger Jahre an — mit einem zeitgemäßen Anspruch. In Zusammenarbeit mit dem künstlerischen Leiter Schwier, entwickelt der junge Frankfurter Grafiker Hans Hillmann bis heute unvergessene Filmplakate, die zum Markenzeichen des Verleihs werden. In den 1960er Jahren baut Kirchner unter dem Namen "Lupe" eine Kette von Filmkunstkinos im gesamten Bundesgebiet auf. Das ambitionierte Projekt scheitert jedoch finanziell und führt zum Konkurs des Filmverleihs. Unter dem Namen "Die Lupe" wird das Unternehmen ab 1976 fortgeführt, nun mit einem Schwerpunkt auf Reprisen klassischer Filme. 2003 kann Kirchner, den der Filmhistoriker Ulrich Gregor einmal als den "verdienstvollsten aller deutschen Filmverleiher" bezeichnete, das fünfzigste Jubiläum seiner Verleihtätigkeit feiern.

Am 14. Dezember 2009 verstarb Walter Kirchner im Alter von 86 Jahren in seiner Heimatstadt Göttingen. Die Begeisterung für den Film hat er an seine beiden Töchter weitergegeben, die beide ebenfalls in der Filmbranche tätig sind.

Die Sonderausstellung und den begleitenden Katalog FilmKunstGrafik, in der die Filmplakate des Verleihs "Neue Filmkunst" eine wichtige Rolle spielten, unterstützte Walter Kirchner 2007 mit großem Engagement. Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Familie.

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